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19. Mai 2000; Donnerstag

Ich lief am Abend durch die Straßen zum Friedhof. Die Welt glitzerte feucht im gelben Laternenlicht. Immerzu stieß ich Autos an oder schlürfte an Hauswänden und rutschte über die Straße als hätte es geregnet und der Regen wäre zu Eis geworden.

Dabei sind es die Herzen der Menschen, die vereist sind.

Am Blumengeschäft vor der Kirche traf ich ausgerechnet auf Jörg. Und aus seinen Augen schoß es garstig; da hielt er mit beiden Händen die Lippen zusammen und sprach doch wieder von Moral, daß du sie bereits verloren und ich sie bestimmt bald gänzlich verloren haben werde und so weiter und so weiter;

- du kennst derartige Unterredung. Meine Augen richten sich dabei stets über den Sprecher. Nur die Ruhe bewahren. Die Haltung.

Weißt du, es ist beruhigend durch die Stadt zu gehen in diesem Sommer. Ein Jeder führt die schönsten Dinge aus dem Haus; junge Haut wohin man sinkt. Die Jungs, die Mädchen in Bedrängnis; überall regt sich der Duft und Haare werden in den Wind gehalten.

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Ich möcht in solchen Augenblicken immer recht gern vergessen, was uns doch zusammen hält und daß es der krankhafte Wunsch nach Zweisamkeit ist; der einander geiselt.

Mein Leben mit Dir, Dein Leben mit mir ist Krieg.

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Vor vierzehn Tagen auf dem Friedhof. erinnerst Du Dich? Du hattest mich gebissen und kamst in der Nacht auf dem Heimweg fast von der Straße. Die Schnitte an deinem Handgelenk habe ich wohl gesehen.

Du warst, bist und bleibst mein Tier. Deiner Unberechenbarkeit wegen liebe ich Dich. Wut ist es, die Dich und mich verbinden.


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